Gedankenbläschen #001: Frauen an den Brettspieltisch

An meinem letzten Spieleabend hatte ich drei Freundinnen eingeladen: die Agricola-süchtige Alena, mit der ich über 100 Partien auf dem Buckel habe, Nina, die eher seichte Spiele bevorzugt und Johanna, die bis zum strategischen Schwergewicht alles mitspielt, was man ihr vor die Nase setzt. Ich nutzte die Gelegenheit ein Thema anzusprechen, das mir seit längerem unter den Fingern brennt. Ich zückte meinen Notizblock und stellte die Gretchenfrage: „Warum gibt es im Medienbereich der Brettspiele so wenige Frauen?“ Ich stellte meine Gedanken dazu knapp voran. Zum Beispiel ist in der „Spiel des Jahres“-Jury bei 10 Mitgliedern nur eine Frau vertreten. Dies deckt sich in meinen Augen nicht mit meinem Eindruck, wie viele Frauen doch auf den Spielemessen an den Tischen sitzen. Das sind doch mehr als 10%, oder? Und selbst wenn es so viele mehr sein sollten, warum werden diese nicht zu journalistischen Tätigkeiten motiviert?

Erstmal verstummten sie und dann kamen zunächst klassische Klischees: Frauen sind weniger technisch interessiert und Spiele mit diesen komplexen Regeln wirken oftmals technisch und verkopft. Dann kam eine Antwort, mit der ich aus dieser Runde so gar nicht gerechnet hätte: viele Mädchen spielen gerne die Hilflose und nehmen dabei eine Rolle ein, die sich nicht verträgt mit einer kompetenten journalistischen Tätigkeit. Um nämlich eine solche Position einzunehmen, muss man sich zunächst am Spieletisch beweisen und dominieren, was Frauen weniger liegen würde.
Ungläubig schaute ich sie an und versuchte meine Verwunderung zu verbergen.

Dann wurde es glücklicherweise etwas gehaltvoller. Sie vermuteten weiter:
Auch unter den Autoren befinden sich hauptsächlich Männer, die ihre Spiele aus Männersicht gestalten und darauf würden eher Männer anspringen. Im Erwachsenenspielebereich würden doch „martialische“ Settings vorherrschen, auch viel Städtebau oder Siedlungszeug. Eher selten würden weibliche Tugenden wie Kinder, Erziehung, Ernährung oder Verschönerungen angesprochen werden.

Eine weitere Überlegung war, dass Frauen mit Brettspielen vielleicht eher als Männer mit kleinen Kindern verbinden. Diejenigen, die Mamas sind, müssen eh ständig diverse Kinder(brett)spiele spielen (und aufräumen), was ihnen die Lust auf weitere Brettspiele verdirbt. Für kinderlose Frauen mit Kinderwunsch könnte das Spielen gerade den Finger in die Wunde legen und für junge Mädchen könnte es sein, dass sie sich durch das Verweigern von Spielen erwachsener zeigen wollen. Außerdem heißt es schließlich: „Das ewige Kind im Manne“ und nicht „in der Frau“.

Sie betonten natürlich extra, dass dies alles nur ungefilterter Gedankensalat sei.

Auf meiner Suche im Netz fand ich die Zahl, dass nur etwa 7 % der Teilnehmenden an höherklassigen Schachturnieren Frauen seien. In mir verstärkt sich der Verdacht, dass Frauen möglicherweise weniger kompetitiv spielen und das Spielen stärker unter dem sozialen Aspekt eines Miteinanders verstehen. Ich möchte aber meine Ursprungsfrage aufgreifen: warum gibt es dann nicht mehr Frauen in der Szene, die einfach über ihr Hobby berichten? Gerne auch spezialisiert auf kooperative Spiele.  Ich werde auf der nächsten Messe genau hinschauen, wo die Frauen sind und wenn ja, wie viele.

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