ESCAPE ROOM IN A BOX : „Ich werd kein Werwolf“

Ich im Februar 2016: „Ein Escape Room Spiel? Wie cool ist das denn? 45 $ + 27 $ Versand: autsch! Aber hey, es gibt sowas ja noch nicht. Und ist billiger als ein echter Escaperaum.“ – Eine Sekunde später habe ich auf den Bestellknopf der Kickstarter-Kampagne gedrückt.
Keine 1,5 Jahre später halte ich das fertige Produkt in meinen Händen. Inzwischen gibt es diverse  Escaperoom-Adaptionen: EXIT, UNLOCK, ESCAPE ROOM von NORIS, ESCAPE THE ROOM von THINKFUN und neuerdings auch DECKSCAPE.
Seriously? Okay, okay, die meinen das wirklich Ernst… dann halten wir uns dran!
Skeptisch beäuge ich die Verpackung. Kann ein weiteres Escapespiel überhaupt noch eine Lücke füllen oder habe ich einen Betrag in den Sand gesetzt, weil es ein Aufguss obiger Spiele ist.
Zum Glück konnte tatsächlich eine Lücke gefüllt werden, aber dazu später mehr.
Storytechnisch haben wir ein Labor betreten und eine Substanz wurde freigesetzt, die uns in einer Stunde zu gefräßigen Werwölfen verwandelt. Ein Gegenmittel muss deswegen rechtzeitig gefunden werden, doch alles im Labor ist durch Rätsel gesichert. Soweit, so… gewöhnlich.
Uns wird eingebläut, dass das Internet als Hilfe tabu ist und wir auch kein Zahlenschloss durch Raten einer Ziffer öffnen dürfen. Ein typisches Problem bei Rätsel, die sich aus einer dreistellige Zahlenkombination zusammensetzen – hat man zwei Zahlen ermittelt, kann man die Lösung einfach durch Einstellen aller zehn verbliebenen Möglichkeiten herausfinden.
Wir akzeptieren diese Regeln und lüften den Sichtschutz.
Wow, sehr wertiges Material darf unser Auge erblicken. Wie viel doch in so eine kleine Schachtel passt. Wir starten damit einen Teamkapitän zu bestimmen, der die Antworten zu den einzelnen Rätseln festhalten soll. Stift und Block sind schon dabei. Dann geht es ganz schnell und plötzlich sehen wir uns mit einem Haufen verschiedenster Rätsel konfrontiert. Dies ist das erste Spiel, bei welchem ich eine höhere Spielerzahl empfehlen würde, einfach angesichts der schieren Masse an Aufgaben, die eben nicht nach und nach, sondern schon schnell zu Beginn ausliegen. Ich würde  außerdem raten, entweder einen Englisch-Muttersprachler zur Hand zu haben oder eben doch das Internet zuzulassen.
Einige Rätsel sind Hilfen, die Hinweise auf Fundstellen geben – was ziemlich deprimierend ist, wenn man besagten Gegenstand schon längst gefunden hat.
Und damit habe ich auch schon verraten, dass es in diesem Escapespiel zahlreiche Dinge gibt, die man aus typischen Fluchträumen kennt. Aluschatullen, Zahlenschlösser, Schlüssel usw. Dazu kommen klassische Rätsel, die mit Papier auskommen. Zwei Hefte „HINTS“ und „ANSWERS“ helfen, wenn man nicht mehr weiter weiß. Und die wird man bei den Rätseln, die auf der englischen Sprache basieren, wohl auch brauchen. Thematisch bemüht, aber ich fühlte mich nicht in einem Labor oder kurz davor, zum Werwolf zu mutieren.
Mehr möchte ich nicht verraten. Aber es gab einige coole Überraschungen.
Wir sind alle zu Werwölfen mutiert, fühlen uns aber eigentlich ganz gut.
Nach einer Stunden und 15 Minuten ist das letzte Schloss geöffnet und wir klopfen uns gegenseitig auf die Schulter. Ein Link gibt uns den Ort, wo wir alle Zettel des Spiels ausdrucken und damit diesen „Raum“ wieder spielbar machen können.
Fazit: ESCAPE ROOM IN A BOX ist die beste Umsetzung einen echten klassischen Escaperaum auf den Spieltisch zu transferieren. Wie in der Realität wird man mit vielen Rätseln konfrontiert und es gilt Schlösser zu öffnen, Schlüssel zu suchen, Verstecke zu finden und die Kombination von Zahlenschlösser zu ermitteln. Sämtliches Material liegt bei und die Rätselqualität entspricht denen eines guten, aber nicht besonderen Escaperaums.
Eine volle Empfehlung kann ich in dieser Form jedoch nicht aussprechen. Ohne ein Englischdiplom sind manche Rätsel nämlich nicht zu lösen und der Preis ist gesalzen, denn es gibt bessere Rätsel für weniger Geld auf den Markt. Wer aber wie ich, heiß auf jedes Escaperoom-Spiel ist, wird hier etwas Anderes, etwas Besonders finden. Die Rätsel erklimmen hier nämlich eine neue Stufe: echte Haptik. Echtes Suchen und Finden von Gegenständen und echte Schlösser. Ein Nachfolger ist schon angekündigt, dort wird es um ein Zauberbuch gehen. Ich halte schon meine Kreditkarte bereit: das Zauberbuch will ich unbedingt lesen.

 

3 Kommentare

    1. Der Nachdruck von Mattel ist schon sicher. Eine deutsche Version kann ich mir schwer vorstellen… dazu müssten wirklich einige Rätsel neu durchdacht werden, aber wäre natürlich schön.

  1. Das klingt ja wirklich gar nicht so übel. Und wenn man zum Abschluss auch noch die Möglichkeit hat, alles wieder herzustellen um das Spiel weiterzugeben ist das natürlich auch noch mal sehr cool. Danke für die Vorstellung!

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